Extraktion: Wie alles begann

Die Herstellung von Konzentraten ist eigentlich ein einfacher Vorgang, der bereits seit Jahrhunderten praktiziert wird. Es gibt unzählige Aufzeichnungen darüber, wie unsere Vorfahren Teemischungen, Öle und Tinkturen aus Pflanzen hergestellt haben. Die erste Erwähnung von rauchbarem Konzentrat, reicht bis in das 900 n. Chr. Zurück – allerdings wurde es damals eher gegessen als geraucht.

Was in Arabien begann, schwappte sehr schnell auf die angrenzenden Gebiete um, so dass ab dem Jahre 1000, Konzentrate und Kräutermischungen im gesamten mittleren Osten verbreitet waren. Nach Europa gelangten die Extrakte, aller Wahrscheinlichkeit nach, durch Napoleon und seine Truppen, die diese zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus Ägypten mitbrachten. Die erste Erwähnung von medizinischen Extrakten stammt nämlich aus dem Jahre 1840 und kommt von einem französischen Arzt namens Louis-Albert-Roche. Er empfahl seinen Patienten die Nutzung von Konzentraten – vor allem zur Linderung von Schmerzen. Des Weiteren entstand kurze Zeit später eine Art exklusiver Club in Paris, der sich in erster Linie dem Konsum von Konzentraten und Kräutermischungen verschrieben hatte. Künstler wie Bauldair, Balzac und Hugo waren dort Stammgäste und sollen einige Ihrer größten Meisterwerke, unter dem Einfluss der hochwertigen Konzentrate verfasst haben. In den USA waren Tinkturen bis zum Jahre 1942 frei verkäuflich und in Großbritannien sogar bis 1970, doch letztendlich unterlagen sie der Propaganda und wurden verboten.

In den letzten beiden Jahrzehnten fand jedoch, langsam aber sicher, eine Kehrtwende statt, denn die Wissenschaft, rund um die Extraktion, hat wesentliche Fortschritte gemacht. Außerdem geht das Extrahieren, aufgrund der vielen technischen Möglichkeiten, immer einfacher von Statten. Für viele Leute ist es daher umso selbstverständlicher, ihre eigenen Konzentrate herzustellen. Schließlich erhalten Sie dadurch ein wesentlich reineres und potenteres Endprodukt.

Die verschiedenen Arten der Extraktion

Es gibt eigentlich nur zwei Wege um Konzentrate herzustellen: Zum einen die „natürliche“ Art, die auch als lösungsmittelfreie Extraktion bezeichnet wird. Dabei werden, außer Wasser, keine anderen Substanzen verwendet. Die andere Möglichkeit setzt logischerweise auf Lösungsmittel, welche in erster Linie Alkohol, Butan oder Propangas sind. Des Weiteren fällt die Verwendung von CO2 ebenfalls unter dieser Kategorie, obwohl CO2 eigentlich kein richtiges Lösungsmittel ist. Doch sehen wir uns einmal genauer an, welche Konzentrate sich mit welcher Methode, am besten herstellen lassen.

Die lösungsmittelfreie Extraktion

Wie der Name bereits andeutet, kommen hierbei keine chemischen Komponenten zum Einsatz. Alles was dafür benötigt wird sind Wasser, Hitze und Druck. Zu den Erzeugnissen, die mithilfe dieser Extraktionsmethode hergestellt werden können, zählen folgende:

Blütenstaub

Dabei handelt es sich um die winzigen, klebrigen, weißen Kristalle, die sich auf Blättern, Blüten und Stängeln befinden - auch als Trichome bekannt. Von allen Pflanzenteilen enthalten sie den höchsten Wert an aktiven Terpenen und Inhaltsstoffen. Ihr eigentlicher Zweck ist die Abschreckung von Ungeziefer und anderen natürlichen Feinden, doch abgesehen davon, besitzen sie viele weitere positive Eigenschaften. Die Extraktion ist vergleichsweise einfach: Alles was dazu benötigt wird ist ein dreistöckiger Grinder, der bei der Nutzung, automatisch der Blütenstaub in die unterste Kammer verfrachtet. Alternativ, ist auch die Nutzung eines feinen Siebs möglich.

Gepresste Pollen

Die wohl bekannteste und älteste Form lässt sich auf unterschiedliche Weisen herstellen. Die am meisten verwendete, um lösungsmittelfreie Extrakte herzustellen, ist die Eiswasser-Methode. Dabei werden die reichhaltigen Trichome, durch die Kälte, von der Pflanze getrennt und im Nachhinein zusammengepresst.

Eine weitere Möglichkeit zur Herstellung von gepressten Pflanzenharzen, ist die sogenannte „Dry-Sift-Methode“ (zu Deutsch: Trockensieb). Dazu werden gefrorene Blüten, die im weiteren Verlauf in kleine Stücken geteilt werden, verwendet. Diese werden auf einem feinen Sieb bzw. einer Unterlage ausgebreitet, sodass sich die Trichome von den Blüten trennen und im Nachhinein zu einer festen Masse gepresst werden können.

Rosin

Dieses Extrakt erfreut sich seit einiger Zeit einer wachsenden Beliebtheit unter den Dabbingliebhabern. Äußerlich ist es dem Shatter, für dessen Herstellung Lösungsmittel verwendet werden müssen, sehr ähnlich. Allerdings gestaltet sich die Extraktion von Rosin wesentlich einfacher, da dazu lediglich Hitze und Druck benötigt werden. Diese sorgen letztendlich dafür, dass der „Saft“ bis auf den letzten Tropfen aus dem verwendeten Material herausgeholt wird. Wenn die Extraktion ordentlich durchgeführt wird, bleiben die aromatischen Terpene komplett erhalten und das Rosin kann eine Potenz von bis zu 70 % erreichen.

Die Extraktion mithilfe von Lösungsmitteln

Mit der ständig steigenden Nachfrage nach Extrakten, kommen auch immer mehr ausgeklügelte Werkzeuge und Technologien, zur Herstellung von Dabs, auf den Markt. Des Weiteren hat die Legalisierung in vielen Ländern ebenfalls dazu beigetragen, dass Produzenten und User, damit begannen nach neuen, effizienteren Wegen zur Extraktion zu suchen – mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen. Doch nichts desto trotz, ist die Herstellung von Extrakten, vor allem mit Lösungsmittel, kein völlig risikofreies Unterfangen. Es besteht nämlich nicht nur die Gefahr, dass Chemikalien eine Explosion verursachen, sondern ebenso, dass Rückstände des Lösungsmittels in das Endprodukt gelangen. Dies ist nicht nur unerwünscht, sondern auch gefährlich für die Gesundheit – daher sollten derartige Prozesse nur von erfahrenen Leuten durchgeführt werden. Doch nun zu den Extraktionsmethoden:

Butan Hash Oil (BHO)

Der Name deutet bereits an, dass diese Form von Extrakt mithilfe von Butan hergestellt wird. Diese Methode ist jedoch nicht nur auf die Herstellung von klassischen BHO geeignet, sondern wird bereits seit den 70er Jahren, zur Produktion von Lebensmitteln, wie beispielsweise Rapsöl, verwendet. Je nachdem, kann das Endprodukt starke Unterschiede in der Konsistenz aufweisen. Daher gibt es für die verschiedenen Arten BHO, unterschiedliche Namen wie beispielsweise Wax, Shatter, Honey oder auch Oil.

Zur Extraktion wird das Lösungsmittel auf das Pflanzenmaterial aufgetragen, was wiederum dafür sorgt, dass die gewünschten Öle aus der Pflanze extrahiert werden. Um die Überreste des Lösungsmittels vollständig loszuwerden, muss die komplette Lösung, in einem Vakuum, leicht erhitzt werden. Werden alle Schritte ordnungsgemäß durchgeführt, erhalten wir ein sauberes und hochpotentes BHO. Dank der Nutzung von Kohlewasserstoffen, bleiben bis zu 90 % der Inhaltsstoffe erhalten.

Rick Simpson Oil (RSO)

Den Namen verdankt dieses Extrakt seinem Entdecker Rick Simson, doch im Volksmund ist es auch als „Phoenix Tears“ bekannt. Bei dieser Methode muss die gesamte Pflanze, samt Blättern und Stängel, in pures Rohbenzin (Naphta) oder Isopropylalkohol eingelegt werden. Das jeweilige Lösungsmittel sorgt schließlich dafür, dass die Inhaltsstoffe extrahiert werden. Nachdem das Lösungsmittel vollständig verdunstet ist, bleibt eine zähe, teerähnliche Masse übrig. Das fertige RSO wird am vorzugsweise oral konsumiert oder auf die Haut aufgetragen.

Hochdruckextraktion (CO2)

Viele Leute bevorzugen diese Methode, da sie ohne die Anwendung von chemischen Lösungsmitteln auskommt. Stattdessen wird, für die Herstellung des Extrakts, Kohlenstoffdioxid (CO2) verwendet, das wiederum so lange komprimiert wird bis ein überkritisches Fluid daraus entsteht. Diese öl-artige Flüssigkeit kann dann, ähnlich wie Butan, dafür genutzt werden, um die Inhaltsstoffe und Terpene aus der Pflanze zu extrahieren.

Dieser Prozess ist absolut einzigartig, da das superkritische Fluid sowohl die Eigenschaften einer Flüssigkeit als auch eines Gases besitzt. Dadurch ist es möglich, das Pflanzenmaterial äußerst gründlich zu aufzulösen. Im Vergleich zur Herstellung von BHO, ist die Hochdruckextraktion wesentlich einfacher handzuhaben und zusätzlich dazu, bleiben bis zu 10 % mehr Terpene im Endprodukt enthalten. Allerdings wird für diese Methode, eine ziemlich teure Ausrüstung, die normalerweise nur in Laboren vorhanden ist, benötigt.

Molekulare Trennung

Wer mit den Begriffen Kurzweg- und Hochvakuumdestillation etwas anfangen kann, weiß bereits um was es geht, denn dies sind lediglich andere Bezeichnung für die molekulare Trennung. Diese Methode ermöglicht es dem Produzenten, die Inhaltsstoffe und Terpene von der Pflanze zu trennen und die Moleküle daraufhin mit minimalem thermischen Abbau zu behandeln. Möglich ist dies letztendlich dadurch, dass der gesamte Prozess mit Vakuumwerten unter 0.01 mmHG durchgeführt wird. Dies erlaubt eine Destillation von Produkten mit hohem Siedepunkt unter gemäßigten Temperaturen, was wiederum vorteilhaft ist, da die Pflanze dabei keinen allzu hohen Temperaturen ausgesetzt wird. Für den Hersteller bedeutet dies einen minimalen thermischen Abbau des gewünschten Endprodukts.

Tinkturen

Dabei handelt es sich um flüssige Konzentrate, die mit Hilfe von Alkohol extrahiert werden. Da der Alkohol, ohne die Anwendung von Hitze, dafür sorgt, dass Terpene und Inhaltsstoffe von der Pflanze getrennt werden, ist dieses Verfahren wesentlich ungefährlicher als die Herstellung von BHO. Außerdem kann der Tinktur auch jegliche Art von Aroma hinzugefügt werden – ideal für alle die den natürlichen Geschmack Ihrer Pflanzen nicht mögen.

Live Resin

Hierbei handelt es sich um den neusten Trend und somit die jüngste Art von Extrakt. Es wird aus frisch geernteten Pflanzen, die direkt nach der Ernte eingefroren werden, hergestellt. Obwohl dieser Prozess ebenfalls die Verwendung von Butan verlangt, ist er einzigartig, denn im Vergleich zur BHO Methode wird die Wartezeit komplett übersprungen. Da die Pflanzen bei dieser Methode nämlich nicht getrocknet werden müssen, entsteht ein Zeitvorteil von bis zu 70 Tagen und zudem bleiben die Terpene wesentlich besser erhalten. Leider ist diese Methode ziemlich kostspielig und daher bis dato nur wenig verbreitet.

Fazit

Nachdem nun sämtliche Möglichkeiten zur Herstellung von Extrakten vorgestellt wurden, kann jeder selbst entscheiden welche Methode ihm am ehesten zusagt. Wichtig ist dabei vor allem vorsichtig vorzugehen und keine gefährlichen Experimente durchzuführen. Wer mit dem Umgang von Lösungsmitteln nicht vertraut ist, sollte definitiv auf deren Verwendung verzichten, denn Sicherheit geht vor. Ansonsten finden sich unserem Shop unzählige Utensilien, von namhaften Herstellern, die die das Extrahieren wesentlich erleichtern.