Dabbing-Blog

BHO Extraktion: Warum du Butan niemals direkt auf Silikon sprühen solltest

von Lukas Ehmer - 25 Feb, 2019

Die BHO-Extraktion ist eine beliebte und weit verbreitete Methode, mit der der sich erstklassige Ergebnisse erzielen lassen – solange sie richtig durchgeführt wird. Leider wenden jedoch nach wie vor viele unerfahrene Dabber Methoden an, die durchaus fragwürdig und teilweise auch ziemlich gefährlich sind. So bekommen wir nicht selten zu hören, dass Leute, beim Extrahieren von BHO, das Butan direkt auf eine Silikonmatte sprühen. Was auf den ersten Blick wie eine praktische Alternative zu herkömmlichem Pergamentpapier erscheinen mag, ist in Wahrheit alles andere als empfehlenswert. Um zu erfahren weshalb das so ist, lies einfach weiter.

Wie reagiert Silikon auf Butan?

Um den Effekt zu sehen, den Butan auf Silikon ausübt, kannst du herkömmliches Pergamentpapier verwenden. Dieses besteht ebenfalls zum Großteil aus Silikon. Reiße dazu ein kleines Stück ab, lege es in eine mit Butan gefüllte Schüssel und lass das Ganze ordentlich einziehen. Entferne nun das Stück Pergamentpapier und lass das Butan verdampfen.

Anschließend nimmst du eine andere Schüssel, füllst diese ausschließlich mit Butan und wartest bis dieses ebenfalls verdampft ist. Nun vergleiche die Überreste in beiden Schüsseln und sieh selbst wie sehr diese Methode deine Konzentrate verunreinigen kann.

Jegliche Art von Silikon ist inkompatibel mit Butan, denn durch die Aussetzung damit schwillt es an und wird brüchig. In Laboren werden deshalb ausschließlich Teflon (PTFE), Pyrex oder andere passende Materialien für die Extraktion mit Butan verwendet.

Ein Brief von Oil Slick bestätigt die Befürchtungen

Abgesehen von den wissenschaftlichen Erkenntnissen, gibt es einen weiteren sehr guten Grund bei der BHO-Extraktion auf Silikonmatten und Pergamentpapier zu verzichten. Ein Mitarbeiter von Oil Slick, einem der größten Hersteller von Dabbing-Zubehör, hat sich nämlich auf Anfrage eines Kunden zu dem Thema geäußert und ebenfalls ausdrücklich davor gewarnt Oil Slick Pads und andere Silikonunterlagen direkt mit Butan zu besprühen. Wir haben den Brief für euch aus dem Englischen übersetzt:

Hi ________,

Wie du sicherlich weißt, schwillt Silikon im Beisein von unpolaren Lösungsmitteln an. Aus diesem Grund wird beispielsweise beim Bau von Silikonrohren, Hexan als sogenanntes „Quellungsmittel“ verwendet. Auf diese Art lassen sich die Einzelteile besser verbinden. Dies ist allerdings auch der Hauptgrund dafür weshalb Silikon völlig ungeeignet ist, um über einen längeren Zeitraum im direkten Kontakt mit unpolaren Lösungsmitteln zu stehen.

Was du ebenfalls beachten solltest ist die Tatsache, dass chemische Kontamination durch extrahierbare Stoffe in Silikon nahezu ausschließlich auf die Freisetzung von niedermolekularen Siloxanen und anderen Verunreinigungen aus dem Herstellungsprozess zurückzuführen ist. Deshalb werden Produkte wie der Tygon3350 oder der SaniTech-Ultra mit platinvernetzten Silikonen, anstelle von herkömmlichen peroxidvernetzten Materialien, hergestellt. Des Weiteren ist dies auch der Grund dafür, weshalb wir für unsere Pads ausschließlich katalysiertes Silikon verwenden.

Soweit ich weiß sind wir bisher die einzige Firma die das tut. Die Materialkosten für eine einfache „Backunterlage“ scheinen in unserer Branche wohl untragbar zu sein.

Um es allerdings nochmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Wir verkaufen die Pads nicht zu dem Zweck sie direkt zu besprühen! Viele (viel zu Viele) Leute machen dies und als wir das im Sommer 2012 herausfanden tauschten wir das bisher verwendete Silikon aus – als vorbeugende Maßnahme. Wir haben deswegen sogar das Logo von unseren Pads entfernt, da wir befürchteten, dass ein Eintauchen in unpolarem Lösungsmittel die Verbindung zwischen der dünnen Schicht des Logos und dem Pad darunter schwächen könnte.

So besorgt wir auch über die Entfernung des Logos waren…Wenn ich Leute sehe, die Pergament bzw. Silikon mit Butan besprühen, kommt mir einfach das Schaudern.

Die Matrix von Silikon in herkömmlichem Pergamentpapier (ohne Quillon /silikonbeschichtet) ist extrem zerbrechlich im Vergleich zu einem Pad. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Gewalt des Anschwellens und Schrumpfens in dieser Größenordnung etwa das Zehnfache, im Vergleich zum Effekt den unser Materialwechsel hervorgerufen hat, auslösen würde. Der physische Verschleiß durch ständiges Schwellen und Schrumpfen sowie anderen Belastungen (durch Rasierklingen, Torches usw.) machen jegliche Art von Garantie unmöglich.

Deshalb gestalten wir unsere Pads so rein wie nur möglich und wenn die Leute uns fragen, sagen wir ihnen: „Wenn ihr sie unbedingt auf diese Weise benutzen wollt, entsorgt sie bitte sobald ihr eine Beschädigung feststellt.“

Ich würde dir außerdem davon abraten, das Pad zu Testzwecken aufzuschneiden, da dadurch das innere Gewebe offengelegt wird. Einmal aufgeschnitten, könnten die Konsequenzen durch das Schwellen zur Beschädigung des offenen Bereichs führen.

Übrigens enthielt diese Email ursprünglich eine über 2 Seiten lange, hyper-technische Streitschrift. Da du jedoch offensichtlich bereits gut über platinbeschichtetes Silikon und die verschiedenen Weichmacher Bescheid weißt, denke ich, dass soweit alles Wichtige gesagt wurde. Für mich persönlich ist das auf jeden Fall ein sehr wichtiges Thema und ich würde mich über weitere ausführliche Diskussionen freuen, sofern du noch weitere spezifische Fragen (oder auch unspezifische Einfälle) haben solltest.

Abgesehen davon, hast du meine ausdrückliche Erlaubnis sämtliche Inhalte unserer Diskussionen in Foren oder sonstigen sozialen Medien zu veröffentlichen.

Mit besten Grüßen

Joshua

Abschließende Gedanken zum Thema

Dass Butan nicht direkt auf Silikonunterlagen gesprüht werden sollte, dürfte nun eindeutig klar sein und anhand des Briefs von Oil Slick wird klar, dass es sich dabei um ein ernstes Anliegen handelt. Immerhin stellt das Unternehmen die Gesundheit seiner Kunden über das wirtschaftliche Interesse und dies hat einiges zu bedeuten. Sei also nicht stur und verwende bei der BHO-Extraktion PTFE-Sheets oder Pyrex-Geschirr. Auf diese Weise erhältst du Konzentrate ohne Verunreinigungen und brauchst dir keine Gedanken über schädliche Inhaltstoffe beim Dabbing machen. Die Übersetzung des Briefs kannst du natürlich gerne weiterverbreiten, denn mit Sicherheit haben deutschsprachige Dabber ebenfalls Interesse an diesen Informationen.


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